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Sich-selbst-sein in ungeahnter Menschlichkeit

23 Apr 17
brittakanacher
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Ich durfte während eines Seminars die emotionale Erfahrung machen, dass sich Menschen in ihrer Menschlichkeit auf ihre je eigene Art, sehr ähnlich sind. Dabei möchte ich den Begriff „Menschlichkeit“ hier in einer ganz anderen Art und Weise verwenden. Menschlichkeit im weitesten Sinne bezeichnet „jedes empirisch beobachtbare oder mögliche Verhalten von Menschen“ (siehe Wikipedia). Dem gegenüber bezeichnet Menschlichkeit im engeren Verständnis meist Vorstellungen, wie ein Mensch sein soll oder seiner wahren Natur oder seiner idealen Bestimmung nach sein soll. Unter Menschlichkeit wird definiert, was richtig oder gut ist. Doch die jeweilige Definition bezieht sich dann meist auf eine spezifische Weltanschauung und ist somit nicht auf die Menschheit als Ganzes zu übertragen.

Was ich im Rahmen des Seminars für mich – und ich betone, für mich – meine erkannt zu haben, ist eine tiefer liegende Menschlichkeit. Alle Menschen werden mit unterschiedlichsten Anlagen und Fähigkeiten geboren. Sie wachsen in unterschiedlichsten Bedingungen auf und machen höchst unterschiedlichste Erfahrungen. Letztlich entwickeln sich völlig individuelle Persönlichkeiten.

Dennoch: ganz gleich, welche Voraussetzungen jemand mitbringt und unter welchen Bedingungen jemand geboren und aufgewachsen ist, die entstandene Persönlichkeit existiert in einem inneren emotionalen Spannungsfeld – und dies existiert in allen Menschen.

Für dieses Spannungsfeld möchte ich als Bild einer Klangschale benutzen. In jedem Menschen existiert diese Klangschale. Je nachdem, welche Spannungen im persönlichen Spannungsfeld existieren, verändert sich der wahrnehmbare Ton. Das klingt jetzt irgendwie esoterisch, ist es aber nicht. Wenn ich gerade mit inneren Spannungen zu tun habe, wenn ich mich traurig, wütend, ängstlich, schuldig oder freudig fühle, dann spiegelt sich dies auch im Klang meiner Stimme wieder. Stimmungen haben auch etwas mit Stimme zu tun. Ob mein Spannungsfeld ausgewogen bzw. in Balance ist, oder ob es nicht im Gleichgewicht ist, beeinflusst meine Stimmung und damit meine Stimme. Dabei führen in der Klangschale nicht ausschließlich die aktuellen Gefühle zu Klängen. Vielmehr klingt die Schale auch dann, wenn aktuelle Ereignisse einen Wiederhall in den Spannungsbögen oder auch nur in einem Spannungsbogen erzeugen.

Das Spannungsfeld der Menschlichkeit, wie ich es formulieren möchte, besteht aus fünf Spannungsbögen, die sich zwischen folgenden menschlichen Bedürfnissen und der Verletzlichkeit, die sich aus diesen Bedürfnissen ergeben, spannen:

Bedürfnisse Verletzlichkeit durch die Bedürfnisse
Anerkennung/Liebe Ablehnung/Liebesentzug
Weiterentwicklung Entwicklungsbeschränkung
Freiheit Freiheitsbeschränkung
Körperliche Unversehrtheit Körperliche Gewalt
Psychische Unversehrtheit Psychische Gewalt

 

Für mich bezeichnet Menschlichkeit folglich das emotionale Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen einer Person und ihrer durch diese Bedürfnisse gegebene Verletzlichkeit. Wie ein Netz wirkt das Spannungsfeld dieser Menschlichkeit im Körper eines Menschen und verbindet diesen mit seinem Verstand/Intellektualität und seiner Emotionalität. Die tragende Säule, die alle Spannungsbögen hält, ist die Selbstkritik. Sie erwächst einerseits aus den Emotionen, die sich aus den einzelnen Spannungsbögen ergeben; andererseits wirkt sie auch auf die Spannungsbögen zurück. Gelingt es, alles in entspannte Balance zu bringen, erwächst ein gesundes Selbstwertgefühl. Gelingt es nicht, ist das Selbstwertgefühl angeschlagen und es entstehen Dissonanzen in der Klangschale.

Es scheint mir, so meine Erfahrungen des GIP-1-Seminars, dass Menschen zu einer besonderen Art von Gemeinschaft in der Lage sind. Dies dann, wenn sie einen Zugang zu ihren Spannungsbögen finden bzw. sich diesen emotional öffnen können. Menschen mit emotionaler Offenheit für ihre eigenen Spannungsbögen, scheinen auch eine Offenheit für die Spannungsbögen bei anderen Menschen zu entwickeln. Es scheint mir wie: „Wenn ich so sein kann, wie ich bin, kann ich dich auch so sein lassen, wie du bist.“ Wenn alle einer Gemeinschaft so denken und, was viel wichtiger erscheint, so fühlen, dann scheint ein Wir-Gefühl möglich, welches sehr verbindend ist. Eine Gemeinschaft auf Basis gegenseitigen Verständnisses für das jeweilige Sich-selbst-sein ist in der Lage alle als wertvollen Bestandteil der Gemeinschaft anzuerkennen und zu integrieren.

Ich kann das GIP-1-Seminar von ganzem Herzen empfehlen – hier geht es zur Info!

 


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